YAK ATTACK „rumble in the jungle“ Sri Lanka

RED BULL  – Wildes Biken, cooler Clash

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Ein Bikerennen mitten durch den Dschungel von Sri Lanka: Wie kann man sich dies vorstellen? Genaueres konnte ich mir nicht vorstellen, als ich die Einladung nach Sri Lanka, dem früheren Ceylon, annahm. Belohnt wurde ich mit unglaublichen Eindrücken von diesem Land – ob am Strand oder im grünen Berg-Hinterland mit all den Teeplantagen, Berghängen und Wasserfällen, den staunenden Menschen am Straßenrand, den Kindern, die in den kleinen Dörfern barfuß mit den Fahrern liefen und anfeuerten, den täglichen tropischen Monsunregen, die Tierwelt mit den bunten Schmetterlingen und Affen auf dem Trail.

Hinzu kommen noch „die Welten“, die bei den 37 Teilnehmern der ersten YAK ATTACK in Sri Lanka aufeinanderprallten. So waren Profis z.B. aus Canada, USA, Japan, Nepal, Spanien oder Indien am Start. Hinzu kam noch eine Reihe abenteuerlustiger Hobbyfahrer aus Australien, England, Südafrika…also Teilnehmer aus der ganzen Welt. Jeder kannte spätestens nach einem Tag jeden und die gemeinsamen Erlebnisse rückten den eigentlichen Renncharakter immer weiter in den Hintergrund.

Und diese gemeinsamen Erlebnisse und das gemeinsame Thema „Bike“ ließ Grenzen überschreiten und die Begeisterung war bei allen groß.

Die Profis der Indischen Armee – in etwa vergleichbar mit der Sportfördergruppe der Bundeswehr – waren zum ersten Mal international unterwegs. Doch die Ausstattung und das Material: 5 von sechs Fahrern waren mit Turnschuhen unterwegs, ohne Regenjacke, welche beim täglich einsetzenden Monsunregen eigentlich unabdingbar war, einer hatte beispielsweise am letzten Tag keine Bremsbeläge mehr an der Hinterradbremse. Dann wird einfach ohne gefahren und bei Defekten wurde bei allen Teilnehmern auf beste „McGyver Art „improvisiert.

Ich startete gut ins Rennen und sicherte mir an Tag 1 und 2 jeweils den zweiten Platz der Tageswertung bei den Damen.  Ich hatte schon immer einen Dieselmotor und komme mit zunehmender Renndauer immer besser in Fahrt. Dies nutzte ich, um mich an den letzten Bergen jeweils auf Platz 2 zu schieben und den Abstand zu meiner Freundin aber auch größten Konkurrentin Myriam Saugy aus der Schweiz einzufahren. Myriam und ich bildeten sicherlich das wetteiferndste, aber auch lustigste Doppel-Zimmer der YAK ATTACK.

An Tag 3 endete für mich jedoch der Wettkampf abrupt – Magenprobleme ließen eine normale Leistung nicht zu. Da dies ausgerechnet auf der Königsetappe mit über 2.500 Höhenmetern bergauf, starken Monsunregen und Kälte auf dem Hochplateau auf 2.000 Metern passierte, wurde dieser Tag zu einem mentalen Kraftakt. Es war sicherlich einer meiner härtesten Bike-Tage – und nach über 7 Stunden erreichte ich als vorletzte das Ziel in Nuwara Eliya. Die Hälfte des Anstieges motivierte sie Laxmi, eine Fahrerin aus Nepal. Auch sie besaß nicht mal eine Regenjacke und kämpfte sich an diesem Tag durch Kälte und den starken Regen. Eine Regenjacke ist als Dankeschön bereits nach Nepal zu ihr mit einer Packung Lebkuchen unterwegs. Auf Myriam verlor ich an diesem Tag über 2,5 Stunden. Alle haben sich danach super um mich gekümmert. Nach einer Dusche und ein bisschen Schlaf reifte dann bei einem großen Glas isotonischen Bier der Entschluss alles zu versuchen, um am nächsten Tag das Ziel in Kandy zu erreichen.

Natürlich ließ ich es am letzten Tag ruhig angehen, für alles Weitere reichte auch die Kraft, mit leerem und streikenden Magen nicht. 6 Scheiben Weißbrot zum Frühstück, 2 Gels und 3 Liter Isogetränk brachten mich nach 3:45 Std. ins Ziel. Ich fand dabei Gesellschaft durch einen Fahrer der indischen Armee, genoss die Gespräche und den Austausch mit ihm und gewann spannende Eindrücke über das Mountainbiken in Indien. Bei langsamer Fahrt konnte ich auch die Landschaft und all die Eindrücke und Impressionen viel besser wahrnehmen als noch in den ersten beiden Tagen während dem Rennen. Mit Gänsehaut ging es nach 4 Tagen im Dschungel, knapp 300 Kilometern und mehr als 7.500 Höhenmetern in Kandy, der Hauptstadt des letzten singhalesischen Königreiches, ins Ziel. Insgesamt war jeder Tag für sich betrachtet ein Erlebnis und eine Grenzerfahrung auf seine ganz eigene Art. Gesamt landete ich auf Platz 4 der Damen…doch das Ergebnis wird von allem Erlebten überboten.